Birgit Jürgenssen Retrospektive

 
        Birgit Jürgenssen (* 10. April 1949 in Wien; † 25. September 2003 ebenda) war eine österreichische Fotografin und Zeichnerin. Sie gehört zu einer der wichtigsten österreichischen feministischen Avantgarde-Künstlerinnen.  Der weibliche Körper und seine Verwandlungen stehen im Zentrum ihrer Arbeiten. Daneben fertigte sie auch Skulpturen an oder benutzte Rayogramme und Cyanotypie als künstlerische Medien.
 
          Die Werke von Birgit Jürgenssen, die von 16 Dezember 2010 – 6 März 2011 in Bank Austria Kunstforum ausgestellt wurden, bereiteten eine neue Welle der popularität bisher nicht sehr bekannten feministischen Künstlerin. Ihre Werke sind nur in seltenen Fällen ästhetisch schön und akkurat, sondern meistens provokativ, verwirrend und bedrückend. Was mir besonderes gefallen hat ist, dass jedes Bild eine gewisse Idee, Sinn oder Wert verfolgt, und dass die Bilder nicht fürs Vergnügen sind, sonder für tiefere Betrachtung und Interpretation. Man merkt sofort, dass an jedem Bild etwas total neues entstehen sollte. Ihre zum größten Teil radikale Bilder haben Frauen wie auch Frauenunterdrückungen, Fetisch und Natur ins Mittelpunk gesetzt, es sind nur selten Männer zu sehen, und auch in diesen Fällen als abscheuliche primitive Wesen (mit tierischen Körpermerkmalen wie extreme Behaarung usw.).
Man konnte sogar glauben, dass Birgit Jürgenssen, als Kind ein oder mehrere Traumatische Erfahrungen mit anderem Geschlecht (vielleicht ihrem Vater) hatte, dass später zu einer psychischen Trauma wurde, dass sie auf Ihren Bildern wiederspiegelte. (Wobei, es auch nur um eine soziale Provokation handeln kann).
 


          Sie experimentiert gerne mit verschiedenen Arbeitstechniken: es sind verschiedene Experimente mit Photographie (wie zum Beispiel Rayogramme), technisch hervorragende Zeichnungen, so wie Plastiken (Frauen-Schuhe), und sehr unbestimmte,  in fragwürdiger Qualität ausgeführte Kollagen und Gemische aus Symbolen und Andeutungen, dass auf Vielfältigkeit der Künstlerin deuten. Kaum welche Arbeiten sind benannt (wie zum Beispiel – “Ohne Titel (Naturgeschichte)”, dass mehrmals vorkommt) um, wahrscheinlich, den Betrachter von gezielter (vorgesehener) Interpretation zu befreien, um ihn eine Möglichkeit zu geben, frei eigene Eindrucke aus den Bildern ablesen zu können. Um die Symbolik zu unterzeichnen werden aller verschiedenste Elemente und Effekte benutzt, wie: einige tierische Körperteile, halbnackte menschliche Gestalten (Birgit selbst), sämtliche vom Mensch produzierte Stoffe und Produkte – wie Kunststoff, Gipsfiguren,  Frauenkleidung (die mit Absicht gewisse Weiblichkeit unterzeichnet), gewölbte Spiegel, Glas (als ein Symbol für den sozialen Druck und Abstoßung ), Skulpturen und Plastiken, manches Mal werden verschiedene Lichteffekte eingesetzt wie auch Bilder auf den Körper projiziert.
 
 
Das alles soll dazu dienen, um etwas dem Betrachter zu sagen, das nicht auf dem Täfelchen steht (siehe “Bilder ohne Namen”), jedoch sich im Zuge des Überlegens kristallisiert werden soll (wobei selten werden tatsächlich die Texte auf den Bildern abgebildet, und wiederrum, deshalb, weil man einen gewissen Eindruck erreichen will). Zum Beispiel Stoffbände die um ein weibliches Modell fest umgewickelt sind,  und es in ein lebensloses Gestalt umwandeln, dass sich nucht eigenständig bewegen und handeln kann, sondern nur für den “Besitz” gedacht ist. Ich habe erwartet, dass bei einer Thema wie unterschied und Unterdrückungen der Frauen durch Männer Genitalien eine große Rolle spielen werden, doch Birgit Jürgenssen umgeht diesen direkten Weg, und bringt ihre Ideen hervorragend rüber, ohne dass offensichtliche Körperunterschiede als Mitter genommen werden (abgesehen von weiblichen Brüsten).
 
          Ohne Titel (Selbst mit Fellchen) – ist das Zentrale Werk der Ausstellung. Hier ist eine Frau mit einem Fuchsfell über dem Gesicht abgebildet.  Ich denke, dass
Fuchs als ein Symbol für Erotik und List stehen sollte, dass das Gesicht der Frau ganz überdeckt (ungerechte Vorurteile?), dabei ist das ganze Körper hinter einem formlosem gestrickten Pullover versteckt (man sieht das Innere der Seele, den wahren Charakter, wegen dem ungerechtem und grobem sozialem Milieu nicht).
  
          Die Werke von Jürgenssen sind traurig, fahl,  sogar aggressiv, und lösen verschiedenste Emotionen auf. Ihre Bilder wirken stark, nicht ausschließlich auf Grund Ihrer Ideen, sondern auch durch Provokation, und wie gesagt – Emotionen. Jedes Bild ist wie ein Rätsel, dass man gezwungen ist zu lösen, und zu verstehen. Man kann nicht durch die Ausstellung durchlaufen, und schon eine Ahnung von Ihren Ideen und Themen zu haben, sondern man ist gezwungen, wie eine Stahlnadel vom jedem Bild angezogen zu werden, und auf längere dauer es zu betrachten, solange, bis der sanfter Magnetismus vorbei ist. Was noch zu erwähnen ist, dass das Publikum der Ausstellung zu etwa 70% aus Frauen besteht, dann zu der restlichen Hälfte aus Männern, und Ehemänner, die zur Ausstellung mit ihren gelobten Frauen gekommen sind. Hier entsteht gleich die Frage: wozu sollen diese Bilder dienen, was sie Bewirken sollen, und für welches Publikum sie gedacht sind? Nun, vor allem um soziale Ungerechtigkeit zu mildern, in aller erster Reihe – den Frauen ein anderes Blick auf ihr Leben zu schenken, bestimmte Gedanken auszulösen und denen die moralische Stärke zu geben, den Unterdrückungen (falls es welche gibt) zu wiederstehen. An zweiter Stelle kommen die Männer, die sich durch diese Kunst auf die Stelle der Frauen sich versetzen können, und durch mitleid ihre Gewohnheiten und ihr Benehmen ändern. Schließlich sollte es Familienkonflikte und Spannungen entschärfen, indem diese beide Effekte kombiniert werden, und mehr mitleid im Zusammenleben der Menschen vorkommt.
 
          Mit dieser Ausstellung habe ich eine neune Kunstrichtung entdeckt – nämlich die feministische Avantgarde. Trotz aller meiner Befürchtungen, war ich von der Jürgenssen’s künstlerischer Idee und Art der Verwirklichung angenehm überrascht, und wünsche allen mehr darüber zu erfahren.