Rene Magritte Retrospektive

«Die Ausstellung René Magritte in der Albertina» (YouTube, nicht fernsehen) versammelte viele interessante Gestalten der Wiener Underground Kultur Szene. Es ist erstklassig, dass ein surrealistischer Maler so viele surreale Menschen auf einem Stück Land versammelte, und ihnen endlos viele Gesprächsthemen schenkte. Es liegt doch in der Natur der Sache…

Der belgische Maler war einer der bedeutendsten Surrealisten. Seinen Stil fand Magritte erst 1925, doch richtig bekannt wurde er erst in den späteren Lebensjahren: anfangs stand er im Schatten von Max Ernst und Salvador Dali. In seinen Bildern r setzte er sich mit dem Wesen der Wirklichkeit auseinander, so dass er traumhafte Atmosphären mit realen Gegenständen in- und miteinander platzierte. Seine größte Kunst liegt jedoch nicht in Bildern, sondern in der Art wie wir sie wahrnehmen und erfolgslos versuchen zu interpretieren. Die Namen (meist sehr poetisch) der ausgestellten Werke spielen daher eine Schlüsselstellung – denn die Wahrnehmung und Logik können keine sinnvollen zusammenhänge miteinander verbinden. Oft das Dargestellte und das Geschriebene stehen in einem etwas regellosen Zusammenhang, jedoch gibt es eine außergewöhnliche Ordnung in Bildern, die unmittelbar das Geheimnis bildet – alle Gegenstände sind spontan miteinander vereint. Sie zerbröseln, trotz der Harmonie, jede Hoffnung auf eine sinnvolle Antwort auf die Frage: was soll denn dass alles?
Das Reich der Lichter – wahrscheinlich sein berühmtestes Bild. Ein nächtlicher Ort unter einem taghellen Himmel. Erst nach eine Weile wird dem Betrachter die Absurdität dieser so lebensecht gemalten Szenerie bewusst: ein makelloser Widerspruch. Eine tolle Idee, jedoch aus meiner Sicht etwas seltsam ausgeführt.

„Die Pfeife…?“ Was ist denn die Realität??? Wir sehen eine relativ naturalistische Pfeife dargestellt, die jedoch behauptet keine echte Pfeife zu sein. Ist denn die Darstellung nicht real? Doch, doch, aber können wie sie stopfen? Hätte Magritte unter seinem Bild geschrieben „Dies ist eine Pfeife“ hätte er (wie er sich selbst Äußerte) gelogen. Ist, also, die ganze Kunst nur eine Lüge, weil sie die Objekte nur nachahmt? Das reale Objekt hat jedoch eine neue Form der Existenz gefunden, nämlich – Kunst.

 „La condition humaine“ – vor einem Fenster mit Blick nach draußen ist eine Leinwand platziert, auf der genau der Abschnitt dargestellt ist der von der Leinwand verdeckt wurde. Magritte meinte, dass für den Betrachter der Baum beides ist: im Raum auf dem Bild und draußen in der realen Landschaft. Es werden, also drei, wenn nicht mehr Objekte dargestellt: Der Baum hinter der gemalten Leinwand, auf der gemalten Leinwand, irgendwo in der Realität und in unserer Vorstellung, wenn wir uns das Bild betrachten uuuuuuuuuuuund der Titel auf dem Schild. Déja vu, meine Lieben. Das macht das Leben aus.
 
„Jedes Ding, das wir sehen, verdeckt ein anderes, und wir würden sehr gerne sehen, was uns das Sichtbare versteckt…“
 
Magritte gilt als Vorläufer und war eine wichtige Inspirationsquelle der Pop Art und der Konzeptuellen Kunst. Er selbst hat seine Kunst nach einer poetischen Logik und Ordnung gestaltet, die die Realität und das Unbewusste im ganz neuen Licht darstellte. Nichts ist wahr, alles ist erlaubt… Mit der Welt der Erscheinungen provoziert und verwirrt er den schutzlosen Betrachter, tatsächlich kein Gentleman, wie Klimt. Mir haben seine Ideen, und besonderes die fantasievollen Namen der Bilder sehr gut gefallen, jedoch ich bin etwas kritisch zu seiner Technik. Die Wahl der Farben und die übermäßig saubere Form stören mich in seinen Bildern. Ansonsten ein echter extravaganter Vorgänger moderner Kunst jeder Art. Bravo.